Von Meißen an die Costa del Sol- Caros Auslandspraktikum

Nach ihrem Auslandspraktikum haben wir Caro gebeten, ihre Erfahrungen und Tipps mit uns zu teilen. Das hat sie uns erzählt:

1. Wo hast du dein Praktikum gemacht und warum dort? 

Ich habe mein Auslandspraktikum an der Deutschen Schule Málaga (Andalusien, Spanien) absolviert. Die Schule liegt allerdings nicht direkt in Málaga, sondern, wie meine Kolleg:innen vor Ort immer gesagt haben, „auf dem Berg“ in La Mairena, das zu Ojén gehört. Während meines Praktikums habe ich in Marbella gewohnt.

Für die Schule habe ich mich entschieden, weil ich mein Verwaltungsstudium gerne mit einem internationalen Umfeld verbinden wollte. Einerseits hat mir das deutsche Umfeld an der Schule ein Stück Sicherheit gegeben, andererseits hatte ich die Möglichkeit, meine Spanischkenntnisse weiter auszubauen und die spanische Kultur wirklich im Alltag zu erleben.

Außerdem mag ich die südländische Kultur, das warme Wetter und das Leben am Meer sehr. Die Kombination aus einem deutschen Arbeitsumfeld und dem spanischen Alltag an der Costa del Sol hat für mich deshalb sehr gut gepasst.

Zwei große Pfannen mit frisch zubereiteter Paella stehen auf Gasbrennern im Freien. Das Gericht ist mit Garnelen, Muscheln und Zitronenspalten angerichtet.
Paella auf dem Sommerfest der Schule: mit Fleisch & Meeresfrüchten und auch vegetarisch  © Carolin Zeiler
Ein großer, mit verschiedenen Gerichten gedeckter Tisch steht in der Mitte eines Raumes. Um den Tisch herum stehen zahlreiche Schüler, die sich an den Speisen bedienen.
Empfang in der Schule zum Europatag und Kriegsende mit Französischer Schule, dt. Konsul, Franz. Konsulin  © Carolin Zeiler

2. Wie bist du auf die Praktikumsstelle aufmerksam geworden?

Ich habe mich an der HSF bei Studierenden aus höheren Jahrgängen erkundigt, welche Erfahrungen sie mit Auslandspraktika gemacht haben. Dabei habe ich mit einer ehemaligen Studentin kontakt, die selbst einige Jahre zuvor ihr Praktikum dort absolviert hat. Dadurch konnte sie mir aus eigener Erfahrung von der Schule erzählen. Das hat mein Interesse geweckt und mich letztendlich dazu gebracht, mich dort zu bewerben.

 

3. Was war deine spannendste Aufgabe im Praktikum?

Das ist tatsächlich schwierig zu sagen, weil die Schule sehr abwechslungsreich ist und ich viele unterschiedliche Aufgaben kennenlernen durfte.

Besonders viel Spaß hat mir die Mitarbeit bei Veranstaltungen wie dem Abiball und dem Sommerfest gemacht. Vor allem die Vor- und Nachbereitung fand ich spannend, weil dabei viele verschiedene Dinge zusammenkommen und man gleichzeitig flexibel bleiben muss.

Insgesamt hat mir gerade diese Abwechslung sehr gut gefallen, weil ich dadurch viele unterschiedliche Bereiche der Schulverwaltung kennenlernen konnte.

Sechs Personen stehen im Freien und lächeln in die Kamera. Vor ihnen liegt ein Ausdruck mit der Aufschrift "Sommerfest 2026".
Selfie mit Mitarbeitenden beim Sommerfest  © Carolin Zeiler

4. Hattest du einen Kulturschock?

Einen richtigen Kulturschock hatte ich eigentlich nicht. Ich war bereits mehrfach vor meinem Praktikum in Spanien und kannte daher schon einige kulturelle Besonderheiten und die spanische Lebensweise.

Trotzdem ist es natürlich etwas anderes, ob man immer nur für kurze Zeit als Tourist vor Ort ist oder drei Monate dort lebt und arbeitet. Man bekommt den Alltag viel intensiver mit und merkt auch bei Kleinigkeiten, dass manche Dinge anders funktionieren.

Ich habe mich aber sehr schnell eingelebt. Besonders das Leben draußen, die entspannte Atmosphäre und die Herzlichkeit der Menschen haben es mir leicht gemacht, mich wohlzufühlen.

 

5. Welche Sprache hast du im Alltag genutzt?

Im Praktikum habe ich hauptsächlich Deutsch gesprochen. Mit einzelnen Mitarbeiter:innen wurde aber auch Spanisch oder Englisch gesprochen, sodass ich auch bei der Arbeit immer wieder die Möglichkeit hatte, meine Sprachkenntnisse anzuwenden.

In meiner Freizeit habe ich ebenso alle drei Sprachen genutzt. Gerade in Marbella trifft man auf ein sehr internationales Publikum und kommt dadurch ganz selbstverständlich mit verschiedenen Sprachen in Kontakt. 

Blick vom Felsen von Gibraltar auf die Steilküste, das Meer und den Hafen unter einem leicht bewölkten Himmel.
Aussicht vom Felsen von Gibraltar - britisches Überseegebiet auf Spaniens Festland  © Carolin Zeiler

6. Was hat dich an der Arbeitsweise vor Ort überrascht?

Mich hat vor allem überrascht, wie entspannt und flexibel vieles organisiert wird. Es wird weniger langfristig vorgeplant und manchmal wird auch kurzfristig etwas umgeworfen.

Dabei habe ich das spanische Wort „Chapuza“ für mich entdeckt. Es beschreibt eine charmante Form der Improvisation: Mit Kreativität, Humor und wenigen Mitteln wird pragmatisch eine Lösung für ein akutes Problem gefunden. Auch wenn es zunächst nur ein Provisorium darstellt,  hat am Ende immer alles funktioniert.

Als Studentin der Allgemeinen Verwaltung hat mich außerdem überrascht, wie unkompliziert und digital viele Behördengänge funktionieren. Für vieles braucht man keinen persönlichen Termin, weil es online erledigt werden kann, und das häufig auch noch sehr schnell.

 

7. Was war die größte Herausforderung?

Eine wirkliche große Herausforderung im Alltag hatte ich eigentlich nicht. Viel schwieriger war für mich, dass drei Monate einfach viel zu kurz sind, wenn man so viel sehen und erleben möchte.

Neben dem Praktikum wollte ich reisen, neue Menschen kennenlernen, Freunde treffen und möglichst viel von Spanien entdecken. Alles miteinander zu koordinieren, war manchmal gar nicht so einfach.

Die größte Herausforderung kam deshalb eigentlich erst am Ende: Spanien wieder zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. Ich hätte sehr gerne noch länger dort gelebt und hatte das Gefühl, gerade erst richtig angekommen zu sein.

8. Wie hast du neue Leute kennengelernt?

In der Schule waren vor allem die anderen Praktikant:innen, FSJler:innen und Kolleg:innen eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Auch durch den Austausch mit Schüler:innen der höheren Jahrgänge sind interessante Begegnungen entstanden.

Außerhalb der Schule hat sich vieles einfach aus meinen Aktivitäten ergeben. Durch meine Reisen in Hostels und bei Gruppenaktivitäten habe ich viele Menschen kennengelernt. Gerade beim gemeinsamen Erleben kommt man schnell ins Gespräch und verbringt dann oft spontan mehr Zeit miteinander als ursprünglich gedacht.

Dazu kommt, dass ich die Menschen in Spanien als sehr offen und herzlich erlebt habe. Ein Gespräch entsteht dort oft ganz unkompliziert und ohne große Hemmschwelle. Dadurch habe ich während meiner Zeit viele Menschen aus ganz unterschiedlichen Ländern kennengelernt.

9. Dein Lieblingswort in der Landessprache?

Ein einzelnes Wort auszuwählen, ist gar nicht so einfach.

„Siesta“ gefällt mir, weil es für mich viel mehr als nur Mittagsruhe ist. Es steht irgendwie für den spanischen Lebensstil: sich Zeit nehmen und nicht alles sofort erledigen zu müssen.

Aber auch „vale“ habe ich unglaublich oft benutzt. Es bedeutet ungefähr „in Ordnung“ oder „alles klar“ und wird in Gesprächen teilweise gefühlt fünfmal hintereinander gesagt.

Oftmals habe ich selbst „vale“ gesagt, obwohl ich nur die Hälfte verstanden hatte.

Mehrere Heißluftballons schweben bei Sonnenaufgang über einer weiten Landschaft. Der orangefarbene Himmel sorgt für eine stimmungsvolle Kulisse während der Ballonfahrt.
Heißluftballon in Marrakesch, Marokko   © Carolin Zeiler
Ein Heißluftballon wird in den frühen Morgenstunden mit heißer Luft befüllt, während die Crew den Korb vorbereitet. Im Hintergrund sind weitere Ballons zu sehen, die für den Start bereitstehen.
Heißluftballon in Marrakesch, Marokko  © Carolin Zeiler

10. Was ist deine schönste Erinnerung aus deinem Praktikum?

Eine einzelne schönste Erinnerung herauszugreifen, fällt mir schwer. Für mich ist es eher das Gesamtgefühl dieser Zeit.

Ich erinnere mich besonders gerne an die ersten Wochen, als ich langsam meinen Alltag in Marbella aufgebaut habe und gleichzeitig immer mehr Teil des Teams in der Deutschen Schule Málaga wurde. Es war ein besonderes Gefühl, morgens aufzustehen und zu wissen: Ich lebe gerade tatsächlich in Spanien und darf hier für mehrere Monate arbeiten.

Während meines Aufenthalts hatte ich außerdem meinen ersten Geburtstag, den ich nicht zu Hause bei meiner Familie verbracht habe. Das war zunächst ein ungewohntes Gefühl, aber gleichzeitig war es wunderschön, diesen besonderen Tag in Spanien mit den Menschen zu verbringen, die ich dort kennengelernt hatte.

Ein weiteres Highlight war eine Reise nach Marrakesch, die ich alleine gemacht habe. Dort habe ich unter anderem eine Heißluftballonfahrt bei Sonnenaufgang gemacht. Über der Landschaft zu schweben, während die Sonne aufgegangen ist, war unglaublich beeindruckend. Ich hatte dabei tatsächlich Gänsehaut.

11. Dein wichtigster Gegenstand im Gepäck?

Mein Handy, ganz klar.

Es war gleichzeitig Kamera, Radio,  Navigationsgerät, Übersetzer, Flug-, Zug- und Busticket, Reiseführer und Verbindung nach Hause.

Und direkt danach kommen meine Badesachen. In Spanien findet sich eigentlich immer eine Gelegenheit, kurz ins Wasser zu springen oder sich irgendwo in die Sonne zu legen.

 

12. Was wirst du am meisten vermissen?

Ganz eindeutig das Meer, die Sonne und das spanische Lebensgefühl.

Ich werde es vermissen, nach der Arbeit spontan an den Strand gehen zu können, draußen zu essen, Sonnenuntergänge am Meer zu sehen und generell so viel Zeit draußen zu verbringen. In Spanien ist man gefühlt ständig unterwegs und nur selten zu Hause.

Auch die Menschen werde ich vermissen. Ich habe die spanische Mentalität als unglaublich herzlich, offen und unkompliziert erlebt. Vieles fühlt sich leichter an und die Menschen wirken weniger mürrisch und gestresst. Ich würde behaupten, dass das viel am Meer und der Sonne liegt. 

Auf einer Reise hat einmal jemand zu mir gesagt: „Don’t be so German.“ Gemeint war damit, dass ich nicht immer alles zerdenken und sofort nach Problemen suchen soll, sondern manchmal einfach offener an Dinge herangehen und schauen soll, was passiert. Dieser Satz ist mir tatsächlich im Kopf geblieben und ich versuche, mich auch heute noch daran zu halten.

Und natürlich werde ich das Essen vermissen: eine richtig gute Tortilla de Patata, Churros con Chocolate, Tarta de queso und dazu einen Tinto de Verano… einfach delicioso.

13. Was konntest du für dich persönlich aus dem Praktikum mitnehmen?

Ich habe vor allem gemerkt, wie selbstständig ich eigentlich bin.

Vor meinem Auslandsaufenthalt war ich sehr strukturiert und habe vieles gerne bis auf die Minute (wenn nicht sogar Sekunde) geplant. In Spanien habe ich gelernt, Dinge auch einfach mal auf mich zukommen zu lassen. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, ergibt sich oft trotzdem etwas Gutes.

Ich habe außerdem gelernt, dass es verschwendete Energie ist, sich über Dinge aufzuregen, die man ohnehin nicht ändern kann. Gute Dinge brauchen manchmal Freiraum, um entstehen zu können.

Ein Satz, der für mich sehr gut zu dieser Zeit passt, ist deshalb: Die besten Dinge passieren unerwartet.

Verbrennung Holzfisch am Strand von Marbella zur Noche de San Juan was die Feier der kürzesten Nacht des Jahres ist bzw Sommeranfang vom 23. auf den 24.Juni dabei werden Wünsche verbrannt und um Mitternacht gehen alle ins Meer.
Verbrennung eines Holzfisches am Strand von Marbella zur Noche de San Juan(Feier der kürzesten Nacht des Jahres bzw. Sommeranfang). In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni werden Wünsche dem Feuer übergeben, bevor um Mitternacht alle gemeinsam ins Meer gehen.  © Carolin Zeiler

14. Hast du Tipps für Studierende, die auch ein Auslandspraktikum machen wollen?

Meine wichtigsten Tipps:

• Kümmert euch frühzeitig um einen Praktikumsplatz. Ich würde spätestens ein Jahr vorher anfangen. Ich habe bereits gegen Ende meines 3. Semesters begonnen, mich zu informieren und mich um Bewerbungen zu kümmern.

• Informiert euch frühzeitig über Fördermöglichkeiten. Das Leonardo-Büro Sachsen ist eine wichtige Anlaufstelle für EU-Fördermittel.

• Sprecht mit dem Auslandsamt der HSF. Dort bekommt ihr wichtige Informationen zu Organisation, Fristen und weiteren Möglichkeiten.

• Habt keine Angst vor der Sprache. Man muss nicht perfekt sprechen, um sich verständigen zu können. Die Mensch vor Ort freuen sich einfach wenn ihr es ausprobiert. 

• Geht offen auf Menschen zu. Gerade wenn man alleine ins Ausland geht, lernt man unglaublich schnell neue Leute kennen.

• Nutzt eure Freizeit, um das Land kennenzulernen. Ich habe versucht, so viel wie möglich zu sehen und auch alleine Ausflüge und Reisen zu machen. Es ist natürlich cool Deutsche vor Ort zu treffen, aber umso wichtiger ist es aus seiner Comfort-Zone herauszukommen, nur keine Scheu! 

• Packt nicht zu viel ein. Man kauft sowieso zu viele neue Sachen.

• Lasst Raum für Spontanität. Nicht alles muss von vorne herein durchgeplant sein. Oft entstehen gerade aus ungeplanten Situationen die schönsten Erinnerungen.

15. Was ist dein Fazit?

Mein Auslandspraktikum war eine der prägendsten Erfahrungen meines Studiums und gleichzeitig eine der schönsten Zeiten meines bisherigen Lebens.

Ich bin für ein Praktikum nach Spanien gegangen und habe am Ende so viel mehr mitgenommen: berufliche Erfahrungen, neue Freundschaften, unzählige Begegnungen, neue Orte und vor allem ein neues Gefühl von Selbstständigkeit und Freiheit.

Ich habe gelernt, wie bereichernd es sein kann, die gewohnte Umgebung zu verlassen und sich auf etwas völlig Neues einzulassen. Spanien hat mir dabei nicht nur beruflich und persönlich viel gegeben, sondern mir auch gezeigt, wie sehr ich die Kultur, die Menschen und das Lebensgefühl dort schätze.

Ein Stück von mir wird immer in dieser Region bleiben und ebenso wird Andalusien immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.❤️

Wenn ich heute zurückblicke, bin ich vor allem dankbar, dass ich mich getraut habe, diesen Schritt zu machen.

Ich würde es jederzeit wieder tun!