Religion und Demokratie im Dialog: HSF Meißen lädt zum Austausch über gesellschaftliche Vielfalt ein

Welche Rolle spielt Religion in einer demokratischen Gesellschaft? Wo ergänzen sich religiöse Überzeugungen und demokratische Werte – und wo entstehen Spannungsfelder? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Der liebe Gott und die Demokratie“, zu der die Hochschule Meißen (FH) und Fortbildungszentrum gemeinsam mit dem Innovationsverbund 4transfer am 1. Juli 2026 eingeladen hatten.

Den Auftakt bildete eine Einführung in die Wanderausstellung „Religiöse Vielfalt in Sachsen“ der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB), die noch bis zum 17. Juli in der Mensa auf dem Campus Meißen zu sehen ist. Dr. Roland Löffler, Leiter der SLpB, stellte die Ausstellung vor, die Menschen unterschiedlicher Glaubensgemeinschaften porträtiert und Einblicke in deren Glaubenspraxis und Spiritualität gibt. Ziel sei es, Neugier zu wecken, Begegnungen zu ermöglichen und die religiöse sowie gesellschaftliche Vielfalt in Sachsen sichtbar zu machen.

Anschließend beleuchtete Prof. Dr. Thomas M. Schimmel, Politikwissenschaftler an der Hochschule Meißen, das vielschichtige Verhältnis von Religion und Demokratie. Er zeigte auf, dass sich demokratische Grundrechte wie die Religionsfreiheit immer wieder mit gesellschaftlichen und rechtlichen Fragestellungen überschneiden – etwa bei Themen wie dem Tragen religiöser Symbole, religiösen Speisevorschriften oder religiösen Bezügen im öffentlichen Raum.

Im zweiten Teil der Veranstaltung diskutierten die Teilnehmenden in zwei Workshops aktuelle Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven. Dr. Thomas Arnold (Stabsstelle des Sächsischen Staatsministeriums des Innern) widmete sich der Rolle von Religion in einer demokratischen Verwaltung. Dabei wurde deutlich, dass Religion Fragen des menschlichen Zusammenlebens und der Sinnstiftung aufgreift, die über den Gestaltungsbereich demokratischer Institutionen hinausgehen.

Parallel dazu diskutierte Peter Jörgensen, Berater für Politik und Religion in Berlin, die Bedeutung von Religionen in der internationalen Politik. Die Teilnehmenden arbeiteten heraus, dass Religionsgemeinschaften in Friedens- und Versöhnungsprozessen häufig eine wichtige Rolle spielen können. Zugleich bestand Einigkeit darüber, dass die universellen Menschenrechte die zentrale Grundlage für das Zusammenleben der Völker und die Gestaltung internationaler Beziehungen bilden.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Arne Petersen aus dem Innovationsverbund 4transfer.

Die große Resonanz zeigte, wie aktuell und relevant das Thema ist. Viele Teilnehmende empfanden die zweistündige Veranstaltung als zu kurz und wünschten sich eine vertiefte Fortsetzung der Diskussion. Besonders erfreulich war zudem, dass die Hochschule mit diesem interdisziplinären Veranstaltungsformat zahlreiche Bürgerinnen und Bürger aus Meißen und der Region ansprechen und den Dialog zwischen Wissenschaft und Zivilgesellschaft fördern konnte.

Teilnehmende der Begleitveranstaltung in der Mensa
Teilnehmende der Begleitveranstaltung in der Mensa  © Prof. Dr. Thomas M. Schimmel